Bad Oldesloe: Disco-Verbot verstößt gegen Gesetz

Nachtschicht-Bad-OldesloeAntidiskriminierungsverband will Migranten vor Gericht vertreten, die nicht in die „Nachtschicht“ durften.

Bad Oldesloe. „Mein deutscher Freund durfte ‘rein, ich musste draußen bleiben. Das war richtig beschämend“, erzählt Ahmet Temel (19). Den umgekehrten Fall schildert Julian Emde. Während er ohne weiteres in die Bad Oldesloer Diskothek „Nachtschicht“ eingelassen wurde, führte für seine beiden Freunde aus Costa Rica kein Weg hinein. Mit der Bemerkung „Heute keine Schwarzköpfe“ ist der Cousin von Arbnor Berisah (16) der Tür verwiesen worden.

Die Liste der jungen Männer, die sich beim Verein Fit (Für Integration und Toleranz) melden, weil sie sich von der Einlasskontrolle der Bad Oldesloer Diskothek diskriminiert fühlen, wird immer länger — schon im Februar berichteten die LN über derlei Vorkommnisse. Das Bemühen der Mitglieder, andere Organisationen und Parteien für das Problem zu sensibilisieren, ist dagegen eher von mäßigem Erfolg.

„Wir haben der IHK und dem Gaststättenverband geschrieben. Aber keiner möchte sich damit auseinandersetzen“, erzählt Vereinschef Gerd-Günther Finck. Auch ein Erörterungstermin im Büro des Bürgermeisters, bei dem auch Vertreter der Disco anwesend waren, habe nichts bewirken können. Letztere hätten nur immer wieder betont, dass die Herkunft der Besucher am Einlass keine Rolle spiele und es keine Anweisungen gebe, Ausländer abzuweisen.

Doch mit diesen Aussagen wollen sich Finck und Vereinsmitglied Aygün Caglar, der selbst schon an der Disco-Pforte abgewiesen wurde, nicht abspeisen lassen. Sie haben Kontakt zum Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein aufgenommen. Dort sind die Inhaber der „Nachtschicht“ keine Unbekannten. In einer weiteren Diskothek namens „Atrium“, die sie in Schwentinental betreiben, haben sich offenbar ähnliche Vorfälle ereignet. Wolfgang Kastens, Justiziar des Verbands, berichtet von zwei Ecuadorianern, die dort nach der Ausweiskontrolle harsch abgewiesen wurden.

Solche Vorfälle damit abzutun, dass ein Türsteher nur das Hausrecht ausübt, wenn er eine Auswahl betreibt, sei nicht statthaft, sagt der Jurist. Diskotheken zählten wie Kaufhäuser zu Massengeschäften. Jeder müsse Zutritt haben. „Stellen Sie sich vor, jemand will zu Hertie und man lässt ihn nicht rein, weil er behindert ist oder eine andere Hautfarbe hat“, sagt Kastens. „Das wäre ein klarer Fall im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes.“ Bevor eine solche Angelegenheit vor Gericht lande, müsse der Versuch unternommen werden, die Probleme zunächst im Rahmen eines Gütetermins beizulegen. Erst wenn diese erfolglos bleibe, werde die Sache vor einem staatlichen Gericht verhandelt.

Der Justiziar hat übrigens den Beschwerdeführern aus Bad Oldesloe seine Hilfe angeboten. Vielleicht lasse sich das Problem auch außergerichtlich beilegen. „Ich bin auch bereit, das Disco-Personal kostenlos zu schulen“, sagt Kastens. Wenn auf diesem Wege keine Besserung einsetze, sei er als Verbandsjustiziar willens und berechtigt, Betroffene vor Gericht zu vertreten. Klage führen könne indes nur jeder für sich. Binnen zwei Monaten müsse der Verstoß gegen das Gesetz geltend gemacht werden.

Die LN haben versucht, den Geschäftsführer der „Nachtschicht“- Diskothek zu den Vorwürfen zu befragen, ihn aber nicht persönlich, sondern nur einen technischen Mitarbeiter erreicht, der keine Auskunft geben konnte.

Quelle: LN-Online