Bad Oldesloe: „Du passt nicht zu unserer Klientel“

Bad Oldesloe. Verweigert eine Diskothek in Bad Oldesloe Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Eintritt? Auf der facebook-Seite der „Nachtschicht“ kursieren Einträge über Ausländerfeindlichkeit an den Türen des Tanztempels. Auch Mitglieder des Oldesloer Vereins Fit (Für Integration und Toleranz) berichten von negativen Erfahrungen. Und sogar im jüngsten Hauptausschuss der Stadt Bad Oldesloe wurde das Thema am Rande angerissen.

Aygün Caglar hat es am eigenen Leib erfahren. Selbst lange Mitglied im Verein Fit, wollte der türkischstämmige Lehrer den Erzählungen seiner Schützlinge nicht so recht Glauben schenken. Wiederholte Male, so die Berichte, die ihn erreichten, wäre man abgewiesen worden. „Ich dachte, ich schaue dann selbst mal, ob es so ist“, erzählt der 37-Jährige, der für die CDU in der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung sitzt. Schick angezogen und somit dem Dresscode der Diskothek entsprechend, begehrte Aygün Caglar vor 14 Tagen Einlass. Vergebens. „Sie haben mich nicht gelassen. Du passt nicht zu unserer Klientel, hieß es von den Türstehern. Das war sehr erniedrigend“, sagt er. Und dann erbost: „In Bad Oldesloe ist kein Platz für Diskriminierung. Das können wir so nicht hinnehmen.“

Auch Tugay musste der Diskothek den Rücken kehren: „Ich wollte mit meiner deutschen Freundin rein“, sagt der 18-Jährige. Sie hätte gedurft, er nicht. „Sie haben meinen türkischen Pass gesehen und den Kopf geschüttelt. Das fand ich unverschämt.“ Vedat pflichtet ihm bei. Der Fußballer, der ein wenig aussieht wie Mario Gomez, wurde bereits mehrere Male „wegen seines südländischen Aussehens“ abgewiesen. „Die wollten nicht mal meinen Ausweis sehen. Der ist deutsch“, sagt der 18-Jährige. Er habe sich missachtet gefühlt, nicht ernstgenommen.

Bürgermeister Tassilo von Bary hat das „Nachtschicht“-Problem indes zur Chefsache gemacht. Im Hauptausschuss berichtete er, die Stadt wolle die Sache prüfen. „Das Ganze darf nicht diskriminierend sein. Das geht nicht“, sagt der Verwaltungschef auf LN-Anfrage. Die Stadt werde jetzt mit den Betreibern sprechen. „Ich weiß von meinen Kindern, dass es dort sehr streng bei den Kontrollen zugeht“, berichtet von Bary weiter. Leute, die zu jung seien, würden abgewiesen. „Weil die so strikt sind, ist es aber auch verhältnismäßig ruhig rund um die Disko“, sagt der Bürgermeister.

„Die Diskriminierung ist bei uns kein Einzelfall“, sagt Fit-Geschäftsführer Gerd-Günter Finck bedauernd. Selbst sei er zwar noch nie in der Diskothek gewesen. „Aber wenn es so ist, muss unbedingt nachgebessert werden“, fordert er und ist froh um die öffentliche Diskussion. „Wir warten jetzt ab, was der Bürgermeister erreichen kann. Er hat mehr Autorität als wir“, sagt Finck. „Aber notfalls streben wir eine Klage nach dem Antidiskriminierungsgesetz an.“

Thore Peemöller, der die Diskothek seit September zusammen mit seinem Bruder in der Industriestraße betreibt, möchte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. „Ich sage dazu nichts. Ich bin nicht befugt“, sagt der Unternehmer. Und dann doch: „Natürlich lassen wir Ausländer rein. Mein bester Freund ist Ausländer. Aber wenn der in Schlabberhosen ankommt, hat er auch Probleme.“ Und: „Wir sind doch nicht die einzige Diskothek, wo das so ist.“ Peemöllers Bruder Björn, der zu öffentlichen Stellungnahmen berechtigt ist, war gestern für die LN nicht zu erreichen.

Quelle: LN-ONLINE