Bad Oldesloe: Protagonist_innen von „Volkswillen umsetzen“

In der Facebook-Gruppe „Gemeinsam für Deutschland“ wird unter dem MottoNeonaziaufmarsch Bad Oldesloe „Volkswillen umsetzen“ zu einer Demonstration am 16. April 2016 in Bad Oldesloe aufgerufen. Welche Organisatoren und Strukturen hinter diesem Aufruf stecken, wollen wir im Folgenden näher beleuchten.

 Aus der Versenkung aufgetaucht

Der Initiator der angekündigten Demonstration in Bad Oldesloe, Jörn Gronemann, ist Antifaschist_innen bestens bekannt. Im Mai 2013 gab Gronemann dem NPD-Aktivisten Patrick Schröder ein Interview, Schröder unterhält den extrem rechten Online-Sender „FSN-TV“ aus der Oberpfalz. In dem Interview geht Gronemann u.a. auf militante antifaschistische Interventionen ein, die gegen ihn und seine Nazi-Familie gerichtet gewesen sein sollen.

Gronemann und seine Familie spielten 2013 schon länger mit dem Gedanken, aus Lübeck wegzuziehen. Der Druck, den Antifaschist_innen konstant auf seine Familie ausübten, brachte Jörg Gronemann schlichtweg zur Verzweiflung, er konnte den Schutz seiner Familie nicht weiter gewährleisten. Hinzu kamen Streitigkeiten innerhalb der extremen Rechten, finanzielle Probleme, Druck des Vermieters und sein Alkoholproblem. All dies führte zu der Entscheidung, Ende 2013 schließlich fluchtartig die Stadt zu verlassen.

Seine Tochter Kim Grace zog mit ihrem Lebensgefährten und Hauptakteur der mittlerweile aufgelösten extrem rechten Nachwuchsorganisation „Aktionsbündnis Lübeck-Stormarn“, Reneé Rudi Eggert in die 40 km von Lübeck entfernte lauenburgische Gemeinde Hornbek. Jörg Gronemann verließ Schleswig-Holstein dagegen ganz und zog in den oberfränkischen Landkreis in die Stadt Schauenstein.

Vermutlich verleitete die ungewohnte Ruhe vor antifaschistischen Interventionen Gronemann dazu, sich in weiter Distanz des politischen Gegners einer Vielzahl extrem rechter Projekte anzuschließen. Neben seinem „nationalen Satiremagazin“ „Maulwurfen Info“, das er mindestens seit Anfang 2010 betreibt, war er seit 2013 maßgeblich an dem Online-Magazin „Nationale Presse Agentur – Neueste Nationale Nachrichten“ (NPA-NNN) beteiligt, für das er u.a. die presserechtliche Verantwortung übernahm.

Zusammen mit Hagen Ernst aus der lüneburgischen Stadt Bleckede publiziert er Texte im Online-Magazin „Preussischer Anzeiger – Das deutsche Volks.Magazin“ und ist außerdem maßgeblich verantwortlich für die mediale Aufbereitung der Print-Ausgabe. Der „Preussische Anzeiger“ wird über den rechten Verlag „Romowe“ vertrieben, für den Hagen Ernst gleichfalls die juristische Verantwortung übernimmt. Auch hier zeigt sich eine enge Zusammenarbeit mit Gronemann: Der Verlag vertreibt von ihm verfasste Bücher, Magazine und Illustrationen. So veröffentlichte er im Jahr 2015 rechte Propaganda unter den Titeln „Asyl in Deutschland: Die Fakten“, „Ein Krampf: 88 Fragen und Antworten zum Rechtsextremismus“, „Maulwurfen Info: Das erste Buch Maulwurfen“ und als Illustrator im Zusammenarbeit mit Wolfgang Luley das Taschenbuch „Eskimos in der Espressobar: Heitere und skurrile Alltagsgeschichten“.

Darüber hinaus ist Gronemann Moderator bzw. Administrator diverser Facebook-Seiten, -Gruppen und -Veranstaltungen, u.a. auch für die Seite „Gemeinsam für Deutschland“ und die daraus resultierende Veranstaltung „Gemeinsam für unser Deutschland – Volkswillen umsetzen!“, die zu der oben beschriebenen Nazi-Demo in Bad Oldesloe aufruft. Zu dieser Facebook-Veranstaltung registrierte er eine Domain „gfd-volkswille.de“, die auf die Facebook-Veranstaltung verweist. Die Domain wurde auf seine alte Wohnanschrift in Lübeck angemeldet, unter der er seit 2013 nicht mehr zu finden ist. Er ist außerdem beteiligt an der Facebook-Seite „Widerstand Schleswig-Holstein“ und den Facebook-Seiten der oben beschriebenen Projekte, also beispielsweise des „Preussischen Anzeigers“.

 Gronemann is back in the game…

Es hätte für Gronemann alles so schön werden können, hätte er seine extrem rechten Aktivitäten eingestellt und die räumliche Distanz zu Schleswig-Holstein gewahrt, doch mit einem erneuten Umzug nach Hornbek in den Kreis Herzogtum Lauenburg, scheint der 45-Jährige neuen Tatendrang zu verspüren und sich weiteren Projekten zu widmen. Seit mindestens Dezember 2015 scheint er seine Kontakte in Schleswig-Holstein aufleben zu lassen.

Ein möglicher Grund für seinen Umzug kann u.a. darin liegen, dass Kim Grace Gronemann und Reneé Rudi Eggert am 25.10.2014 in Geesthacht Eltern eines Kindes namens Finn Gronemann geworden sind. Es ist vorstellbar, dass er aufgrund der guten Beziehung zu seiner Tochter und dem freundschaftlichen Verhältnis zu seinem Schwiegersohn die Rolle des Großvaters einnehmen möchte und dafür – vorerst temporär – in ihre Wohnung in Hornbek eingezogen ist.

Am 13. Februar 2016 beteiligte sich Gronemann an einem NPD-Infotisch in Mölln, der vom NPD-Kreisvorsitzenden Lauenburg-Stormarn und JN-Nord-Stützpunktleiter Simon André Haltenhof [2] [3] angemeldet worden ist. Neben Gronemann und Haltenhof beteiligten sich außerdem die NPD-Mitglieder Helmut Baginski und dessen Lebensgefährtin Meike Schmidt. Gronemann übernahm am Tag die Aufgabe, mögliche „politische Gegner“ aufzuspüren und ggf. zu intervenieren, so gab er bei Facebook auf die Anmerkung von Denny Reitzenstein „Diese Kreaturen wollen einfach nicht aussterben“ bekannt: „Leider … Aber es gab zu viele Zeugen […]“. Tatsächlich war es jedoch so, dass der leicht beduselte Gronemann als Handlanger Haltenhofs diente und dessen Anweisungen Folge leistete.

 Nazis machen mobil…

Auch wenn Gronemann als Hauptakteur der Demonstration in Bad Oldesloe gesehen werden kann, so braucht er weitere Kontakte in die extreme Rechte hinein. Gronemann hat u.a. durch Veruntreuung von Spendengeldern und diverse andere „Aussetzer“ Vertrauen innerhalb Szene verloren. Der ebenfalls im Kreis lebende Nazi Tim Jessen unterstützt den Demo-Aufruf Gronemanns dennoch und hat andere Akteure und Kader aus der lokalen und überregionalen Szene aufgefordert, sich an der Demonstration in Bad Oldesloe zu beteiligen. Der Aufruf wird ebenfalls auf der Internetseite des „Nationalen Widerstand Schleswig-Holstein“ verlinkt und beworben. Diese Seite gilt nach dem Wegbruch von „MeinSH.info“ als Sprachrohr der „Kameradschaftsszene“ in Schleswig-Holstein.

 Gemeinsam antifaschistisch handeln…

Es zeigt sich, dass der Landkreis Herzogtum Lauenburg neben Neumünster eine der Hochburgen der extremen Rechten in Schleswig-Holstein ist. Dadurch dass die Neonazis dort aber auch auf entschiedene antifaschistische Gegenwehr treffen, scheint der Veranstaltungsort Bad Oldesloe als Generalprobe für neonazistische Demonstrationen auch an anderen Orten zu fungieren. Nicht nur deswegen ist es an uns, der extremen Rechten den Riegel vorzuschieben und neonazistische und rassistische Umtriebe im Keim zu ersticken. Wer sich wie Gronemann und Konsorten traut, offen zu hetzen, muss auch mit den Konsequenzen leben – see you on the streets.

Aus der Vergangenheit nichts zu lernen, bedeutet in der logischen Konsequenz, antifaschistischen Aktionen ausgeliefert zu sein. Unerwartet, überall und kompromisslos. 

Antifaschistische Koordination Lübeck
Antifa Herzogtum Lauenburg
Antifa Bad Oldesloe

via: https://linksunten.indymedia.org/de/node/170942