Bad Oldesloe: Stoppt Rassismus an der Tür!

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“Bad Oldesloe legt eine Nachtschicht ein”, so titelte die Lübecker Nachrichten am 06.09.2012 in ihrem Artikel über die Eröffnung der neuen Diskothek “Nachtschicht” in Bad Oldesloe. Diese öffnete am 07.09.2012 in der Industriestraße 8 ihre Tore. Björn und Thore Peemöller, die bereits Inhaber weiterer Diskothekensind, versuchen nun auch in Oldesloe sich ein weiteres Standbein aufzubauen. Die anfängliche Euphorie der Kleinstädter sorgte rasch für einen guten Start der beiden Brüder, doch schnell sprach sich herum: Nicht jeder darf eine Nachtschicht einlegen! Menschen mit Migrationshintergrund werden systematisch aussortiert und diskriminiert. Allein der Verdacht, dass Personen einer anderen Kultur angehören könnten, reicht aus um ihnen den Zutritt in die „Nachtschicht“ zu verwehren. Am eigenem Leib musste dies auch ein bekannter Oldesloer Imbissbesitzer erfahren, und dass, obwohl er sich vorher dazu bereit erklärt hatte, in seinem eigenen Laden Werbung für die neue Diskothek zu machen. Als er und seine Frau schließlich vor den Türstehern der „Nachtschicht“ standen, mussten sie sich Folgendes anhören: “Dat wird nichts. Tut mir leid, hat nichts mit uns Securitys zu tun. Wir tun nur unseren Job. Der Chef will nicht, dass hier Ausländer rein kommen.”

Diese Situation ist leider nur ein Beispiel von vielen. Bald war bekannt; in die „Nachtschicht“ kommen keine „Ausländer“ hinein. Auch durch Einträge in einem sozialen Netzwerk, in dem die „Nachtschicht“ vertreten ist, wird dieser Eindruck von verschiedenen Besuchern bestätigt.

Die offiziellen Einlasskriterien der „Nachtschicht“ (die auch auf ihrer Homepage nachzulesen sind) fordern: Ein gepflegtes Äußeres und einen gültigen Personalausweis. Zusätzlich ist den Türstehern das Recht eingeräumt, die Einlasskriterien nach ihrem eigenen Ermessen auszulegen und zu variieren. Des Weiteren wird betont, dass keine Diskussionen über einen verwehrten Einlass geführt werden. Bedeutet also die Variation der Einlasskriterien auch, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens und/oder ihrer Herkunft schon an der Tür ausselektiert werden? Oder sind die inoffiziellen Einlassregeln der „Nachtschicht“ andere?
Laut dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, dürfen Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Religion etc. ausgegrenzt werden. Leider scheint die „Nachtschicht“ kein Interesse an dieser Gesetzesgrundlage zu haben. Die Security weißt laut dem oben genannten Zitat jegliche Schuld von sich und auf die Inhaber der „Nachtschicht“. Doch selbst wenn diese Aussage zutreffend ist, können die Türsteher immer noch auf ihr Auslegungsrecht zurückgreifen. Im Klartext ausgedrückt, handeln also sowohl die Besitzer der Diskothek, sowie auch deren Türsteher diskriminierend. Als Personen des öffentlichen Lebens, verletzten sie so nicht nur die Menschenrechte, sondern verfehlen auch das Verhalten eines angemessenenVorbildes.

Des Weiteren gibt es in einer Kleinstadt, wie Bad Oldesloe, für junge Menschen wenige Möglichkeiten amWochenende wegzugehen. Daher bietet ausgerechnet die „Nachtschicht“ für viele Jugendliche eine gute Gelegenheit feiern zu gehen, ohne auf umliegende Städte ausweichen zu müssen. Daraus resultiert, dass Rassismus toleriert und akzeptiert wird. Bevor man gar nicht feiern geht, nimmt man lieber Rassismus in Kauf. Diese Gegebenheiten fördern, dass Rassismus und Diskriminierung zu Alltagsphänomenen werden und sich in den Köpfen von Besuchern der “Nachtschicht” als Normalzustand verankern.

Wie so oft geht Rassismus Hand in Hand mit Gewalt einher. Sobald den Türstehern bei Konflikten die Argumente ausgehen, nutzen sie ihre Machtposition aus und greifen gerne und schnell zum letzten Mittel “Gewalt”. Leider reicht es ihnen nicht aus, unerwünschte Menschen herauszuschmeißen, sie schlagen oft über die Stränge und treten nicht nur zu sondern auch nach. Imageschäden wollen die Brüder Peemöller jedoch nicht hinnehmen, sobald ein Vorfall zu großes Medieninteresse nach sich zieht, werden die schon längst überfälligen Konsequenzen endlich gezogen und Verantwortliche werden entlassen, um die Weste wieder reinzuwaschen. Doch die “Nachtschicht” wird mit ihrem jetzigen Verhalten nie eine weiße Weste haben.

Da wir uns nicht auf Gerüchte verlassen wollten, haben wir uns selber einen Eindruck der Situation in der neuen Diskothek verschafft, in der Hoffnung, dass sich die Vorwürfe über die “Ausländerfeindlichkeit” nicht bestätigen. Doch leider mussten wir als AntifaschistInnen feststellen, dass sich die Aussagen über die “Nachtschicht” bewahrheiteten. Auffällig war, dass verhältnismäßig viele Besucher dem rechts-offenen Spektrum zugeordnet werden konnten. Schockierender Weise, schien sich aber niemand daran zu stören, eher wurde dieser Zustand als normal und selbstverständlich hingenommen. Besonders ins Auge gefallen, ist uns eine Gruppe kreisbekannter Neonazis, mit einer Vorliebe zu Thor Steinar Klamotten. Insbesondere wollen wir hier auf Nikolas Krause hinweisen. Der 22 jährige Neonazi aus Ratekau (Schleswig -Holstein) ist in der Kameradschaftsszene Ostholstein aktiv. Krause nimmt seit Jahren bei regionalen und bundesweiten Naziveranstaltungen teil. Auch an dem besagten Abend scheute er nicht davor zurück, seine rechten Ideologien offen und lautstark kundzutun. Es reichte ihm jedoch nicht aus, dies bei seinen Kameraden zu tun, sondern sprach gezielt, provokant und aggressiv eine Antifaschistin auf ihre politische Einstellung an. Nach erfolglosen Anwerbversuchen, ob man nicht in die Kameradschaftsszene wechseln wollen würde, endete die Situation in lautstarker Pöbelei. Mit der Drohung “Wir kriegen euch alle!”, zog er schließlich frustriert ab. Auch wenn sich die restlichen Neonazis ruhig verhielten, ist ganz klar zu sagen, dass auch bei ihnen das gleiche Gewalt-, und Aggressionspotential vorhanden ist, sind sie doch in ihrer neonazistischen Ideologie bereits sehr stark gefestigt. Die explosive Mischung aus Alltagsrassismus, rechtem Gedankengut, Feierlaune und Alkohol vereinfacht die Verbreitung von Rassismus, Faschismus und Nationalismus. Durch diese Kombination haben Neonazis ein leichtes Spiel, ihre Ideologien zu verbreiten.

Die Konsequenz, die sich aus der Türpolitik und der allgemeinen Akzeptanz gegenüber den Neonazis ergibt, ist, dass sich die “Nachtschicht” zu einem Schutzraum für Neonazis etabliert.

Wir, als Antifaschtische Aktion Bad Oldesloe, fordern von der “Nachtschicht” eine sofortige Veränderung der vorherrschenden Verhältnisse. Wir können und werden es nicht hinnehmen, dass Rassismus ein toleriertes Alltagsphänomen ist, weder hier noch anderswo. Wenn Menschen diskriminiert und ausgegrenzt werden, muss aktiv und entschlossen dagegen vorgegangen werden.

Wir werden weiterhin beobachten, wie die Verhältnisse in der „Nachtschicht“ sich entwickeln!

Es darf nicht passieren, dass Neonazis sich auf einmal in Bad Oldesloe heimisch fühlen, ebenso wie dies nicht in irgendeiner anderen Stadt passieren darf! Wenn sich solche Entwicklungen zeigen und deutlich werden, heißt es: Entschlossen handeln, die Verhältnisse transparent machen und Nazis und Rassisten offensiv entgegentreten!
Keine Schutzräume für Nazis!
Rassismus tötet – überall!